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Mit Spannung wurde das erste Spiel des Tages in der Saalsporthalle Zürich erwartet. Die
Mannschaft aus Estland, die in ihrem bisher einzigen Spiel Australien sicher 6:1 besiegt hatten,
trafen auf die Niederlande, die beim 10:5 gegen die Aussies ebenfalls recht souverän aussahen und
den Slowenen ein 6:6-Unentschieden abtrotzen konnten.
Umso überraschender war es für mich, dass das Spiel von Anfang an praktisch nur in der niederländischen
Hälfte stattfand. Die Holländer igelten sich ein, standen nicht selten mit drei, vier Spielern im Torraum
und ließen die technisch guten Esten spielen. Diese kontrollierten das Spiel ganz sicher, brauchten
aber neun Minuten, um gegen die starke Abwehr der Niederländer das erste Mal zu treffen. Das Spiel
drohte völlig zu kippen, als die Holländer dann sogar mit einem Freischlag in Überzahl - vorher war
ein Handspiel passiert - ausgleichen konnten. Der erste Schuß des Spiels saß. Je länger
das erste Drittel dauerte, desto mehr Lücken fanden die Esten und fanden im gegnerischen
Torhüter einen Verbündeten, denn fünf von sechs Schüssen landeten im Netz, wobei einer
dieser allerdings eine vom eigenen Mann unnötig und unglücklich abgefäschte
hohe Rückgabe zum Goalie fand.
Zweites Drittel, gleiches Spiel: wieder drückte Estland und auch wenn die Niederländer
verglichen mit dem ersten Abschnitt einen wahren Sturmlauf entfachten und sogar manchmal einen
Angriff starteten, spielte sich das Spiel praktisch auch nur in einer Hälfte ab. Der starken
Abwehrarbeit war es wiederum zu verdanken, dass nur ein Gegentor fiel - dass der Sportgott
den praktisch nichts für das Spiel machenden Holländern schon wieder einen Treffer kredenzte, ist ein klares Argument für den
Atheismus!
Aber auch derjenige, der wenigstens erwartete, dass Holland im letzten Drittel versucht zu drehen,
wurde enttäscht. Symptomatisch eine Szene zirka fünf Minuten vor Schluß: beim unveränderten
Spielstand von 6:3 für Estland hält ein Este hinter dem eigenen Tor den Ball. Anstatt aber auch nur einen kleinen
Ansatz von Forechecking zu zeigen, verkriechen sich alle Holländer in ihrer eigenen Hälfte. Wenn die Esten nicht ein Einsehen
gehabt hätten und dann doch mal einen Angriff starteten, hätten sie die fünf
Minuten wohl auch einfach in der eigenen Hälfte runterspielen können.
Offense wins games, defense wins championships - zweifelsfrei zeigte Holland eine beeindruckende
Defensivleistung und ließ gegen drückende Balten nur sechs Gegentreffer zu. Wer allerdings
dabei eine solche extreme Defense an den Tag legt, der kann sich die Championships von vornerein
abschminken. Einzig erstklassig sind die tollen Fans der "Oranje", die auch in den letzten Minuten
unverändert ihr Team feierten. Estland gewinnt hochverdient, nur leider viel zu niedrig. Für mich der absolute
Unihockey-Tiefpunkt dieser WM.







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